Die Kategorie 'In-Situ' umfasst alle geotechnischen Untersuchungen, die direkt vor Ort – also im anstehenden Boden oder Fels – durchgeführt werden, ohne dass Proben für spätere Laborversuche entnommen werden müssen. In Hildesheim und der umliegenden Region ist diese Art der Baugrunderkundung von zentraler Bedeutung, da sie unmittelbare und realitätsnahe Aussagen über die Tragfähigkeit, Lagerungsdichte und Durchlässigkeit des Untergrundes liefert. Gerade in einer Stadt mit einer so reichen historischen Bausubstanz und gleichzeitig dynamischer Stadtentwicklung ist die präzise Kenntnis der lokalen Bodenverhältnisse unerlässlich, um Bauschäden zu vermeiden und die Standsicherheit von Neubauten sowie bestehenden Strukturen zu gewährleisten.
Die geologischen Bedingungen in Hildesheim sind geprägt durch die Lage am Übergang der Innerste-Aue zu den Ausläufern des Hildesheimer Waldes. Im Stadtgebiet finden sich daher häufig quartäre Lockergesteine wie Auenlehme, Sande und Kiese der Innerste sowie darunter lösbürtige Decklehme über Festgesteinen der Kreidezeit, etwa Tonmergel- und Kalksteine. Diese heterogene Schichtenfolge kann auf engstem Raum stark variieren, was eine sorgfältige und punktuelle Erkundung mittels In-Situ-Verfahren zwingend erforderlich macht. So können beispielsweise setzungsempfindliche Auenlehme oder tragfähige, aber verwitterungsanfällige Mergelsteine sicher identifiziert und in ihrer räumlichen Ausdehnung abgegrenzt werden.

Sämtliche In-Situ-Untersuchungen in Deutschland unterliegen strengen normativen Vorgaben, die die Vergleichbarkeit und Qualität der Ergebnisse sicherstellen. Maßgebend sind hier die DIN-Normen des Deutschen Instituts für Normung, insbesondere die DIN EN ISO 22476-Reihe für Felduntersuchungen sowie die DIN 4020 für geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke. Ein klassisches und häufig angewandtes Verfahren ist die Felddichtebestimmung (Sandkegelverfahren), die nach DIN 18125-2 durchgeführt wird und eine direkte Ermittlung der Lagerungsdichte bindiger und nichtbindiger Böden ermöglicht. Ergänzend kommen Verfahren wie die Rammsondierung nach DIN EN ISO 22476-2 oder die Drucksondierung nach DIN EN ISO 22476-1 zum Einsatz, deren Ergebnisse in den geotechnischen Bericht nach DIN 4020 einfließen und die Grundlage für die Bemessung von Gründungen bilden.
Die Anwendungsbereiche für In-Situ-Untersuchungen in Hildesheim sind vielfältig und decken das gesamte Spektrum des Bauens ab. Sie sind unverzichtbar für den klassischen Hoch- und Industriebau, etwa bei der Gründung von Mehrfamilienhäusern auf den ehemaligen Bahnflächen im Norden der Stadt oder bei der Errichtung von Gewerbebauten im Gewerbegebiet Hildesheim-Ost. Im Tief- und Straßenbau dienen sie der Beurteilung der Verdichtungsqualität von Tragschichten, wobei die Felddichtebestimmung (Sandkegelverfahren) ein zentrales Prüfverfahren darstellt. Auch im Spezialtiefbau, beim Bau von Stützwänden oder bei der Sicherung von Baugruben in der dicht bebauten Innenstadt, sowie im Wasser- und Deponiebau zur Überprüfung mineralischer Dichtungen sind In-Situ-Tests unerlässlich. Selbst bei der Bewertung von Altlastenverdachtsflächen oder der Planung von Geothermieanlagen liefern sie entscheidende Bodenkennwerte.
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Fragen und Antworten
Was genau versteht man unter In-Situ-Untersuchungen in der Geotechnik?
Unter In-Situ-Untersuchungen versteht man alle Prüf- und Messverfahren, die direkt am gewachsenen Boden oder Fels im Feld durchgeführt werden. Im Gegensatz zu Laborversuchen wird der Untergrund nicht gestört entnommen, sondern in seinem natürlichen Verbund und unter den vorherrschenden Spannungs- und Wasserverhältnissen beurteilt. Typische Beispiele sind Rammsondierungen, Drucksondierungen oder die Felddichtebestimmung. Sie liefern unmittelbare Kennwerte zur Tragfähigkeit, Lagerungsdichte und Durchlässigkeit des Baugrunds.
Warum sind In-Situ-Tests für Bauprojekte in Hildesheim besonders wichtig?
Hildesheims Untergrund ist geologisch sehr heterogen, geprägt vom Wechsel zwischen Auenlehmen, Sanden und Kiesen der Innerste sowie verwitterten Kreidemergeln. Diese Bedingungen führen zu stark schwankenden Bodenkennwerten auf kleinem Raum, was ein hohes Baugrundrisiko birgt. Nur durch gezielte In-Situ-Tests lassen sich diese Wechsel präzise erfassen und die lokale Tragfähigkeit sicher beurteilen. Dies ist entscheidend, um wirtschaftliche und schadensfreie Gründungen in der Stadt und dem Umland zu gewährleisten.
Welche Normen sind für die Durchführung von In-Situ-Versuchen in Deutschland verbindlich?
Die maßgeblichen Normen sind in der DIN EN ISO 22476-Reihe für geotechnische Felduntersuchungen festgelegt, ergänzt durch die DIN 4020, die den übergeordneten Ablauf geotechnischer Untersuchungen beschreibt. Für spezifische Verfahren gelten eigene Normen, wie die DIN 18125-2 für die Dichtebestimmung mit dem Sandkegelverfahren. Diese Normen definieren die Geräteanforderungen, die Versuchsdurchführung und die Auswertung, um deutschlandweit reproduzierbare und vergleichbare Ergebnisse sicherzustellen, die als Grundlage für die Standsicherheitsnachweise dienen.
In welchen Bauphasen oder Projekttypen werden In-Situ-Untersuchungen typischerweise eingesetzt?
In-Situ-Untersuchungen kommen in nahezu allen Bauphasen und Projekttypen zum Einsatz. In der Planungsphase dienen sie der Erkundung des Baugrunds für die Gründungsbemessung von Hoch- und Tiefbauten. Während der Ausführung werden sie zur Qualitätskontrolle genutzt, etwa zur Prüfung der Verdichtung von Tragschichten im Straßenbau oder von mineralischen Dichtungen im Deponiebau. Auch bei der Bauwerksüberwachung oder zur Schadensanalyse an bestehenden Gebäuden sind sie ein zentrales Instrument der geotechnischen Beweissicherung.